Ein Einblick
In der Regel stehen am Anfang des Studiums die Sprachkurse an. Wer das Latinum noch nicht in der Schule gemacht hat, holt dies nach. Es folgen Altgriechisch sowie Hebräisch. Die Sprachen sind nötig, um mit historischen Quellen zu arbeiten. Es gibt einige lateinisch verfasste Werke, welche besonders in der Kirchengeschichte interessant sind. Außerdem ist das Alte Testament ursprünglich in hebräischer und das Neue in altgriechischer Sprache verfasst. Sich den biblischen Texten von ihrer Originalsprache ausgehend zu nähern, bringt durchaus andere Nuancen des Textes hervor und ermöglicht einen anderen Zugang.
Insgesamt besteht das Studium der evangelischen Theologie aus sechs verschiedenen Fächern: Altes Testament, Neues Testament, Kirchengeschichte, Systematische Theologie, Praktische Theologie und ein interreligiöses/religionswissenschaftliches Fach, das an den Fakultäten jedoch unterschiedlich benannt wird.

In den exegetischen Fächern, also Altes und Neues Testament, geht es einerseits um bibelkundliches Wissen. Dabei werden die einzelnen biblischen Bücher mit ihrem historischen Hintergrund, ihren Themen, ihrer literarischen Eigenheit und den behandelten Personen beleuchtet. Andererseits geht es darum, eine historisch-kritische Herangehensweise an die Texte zu erlernen. Dazu zählen u.a. die Untersuchung des historischen Kontextes der Erzählung und des textlichen Werdegangs hin zu der bestehenden Form. In der Kirchen- und Theologie-Geschichte beschäftigt man sich mit der Entwicklung der Institution Kirche und ihrer Geistesgeschichte hinweg durch verschiedene Epochen im Kontext ihrer politischen und gesellschaftlichen Umwelt. Hier bestehen viele Überschneidungen zur allgemeinen Geschichtswissenschaft.
Die Systematische Theologie teilt sich in Dogmatik und Ethik auf. Hier werden einerseits Glaubenssätze wie etwa über die Schöpfung, den Heiligen Geist, die Sünde uvm. besprochen und verschiedene Auslegungen diskutiert. Andererseits werden einzelne ethische Entwürfe oder ethische Themen, so z.B. Wirtschaftsethik, Technikethik, Medizinethik etc., behandelt.
Im Rahmen der Praktischen Theologie, die eng mit anderen Disziplinen wie etwa Psychologie, Soziologie oder Pädagogik verbunden ist, geschieht eine theoretische Annäherung an den pastoralen und kirchlichen Dienst. In dem interreligiösen/ religionswissenschaftlichen Modul richtet man den Blick auf andere Religionen.
Das Studium gliedert sich in ein Grundstudium, welches mit einer Zwischenprüfung abgeschlossen wird, und ein Hauptstudium. In dieser Phase stehen verschiedene Prüfungen, Hausarbeiten sowie ein vier-wöchiges Gemeindepraktikum an. Anschließend bereitet man sich auf das erste Examen vor, für das eine wissenschaftliche Hausarbeit, eine Predigtarbeit, Klausuren und mündliche Prüfungen erbracht und bestanden werden müssen.
Es gibt natürlich verpflichtende Veranstaltungen, jedoch hat man im Studium der evangelischen Theologie eine vergleichsweise große Freiheit bei der Kurswahl und die Möglichkeit zur eigenen Schwerpunktsetzung. Generell regt dieses Studium sehr zum persönlichen Wachstum an. Man kann nicht nur herausfinden, für welchen Bereich der Theologie das eigene Herz schlägt und sich darin fortbilden, sondern lernt sich durch die Auseinandersetzung mit großen Themen wie Leid, Tod und Verantwortung besser kennen und wird zur Entwicklung einer eigenen Haltung herausgefordert. Ebenso gibt die verhältnismäßig überschaubare Anzahl an Theologiestudierenden dem Studium eine persönlichere Note.
Die evangelische Theologie ist ein wunderbares Studienfach, das in seinem Umfang, seiner Tiefe und Vielfalt leider oft unterschätzt wird und dessen wissenschaftliche und kritische Perspektive äußerst wichtig ist.
von Vikarin Zoe Davis
