Evangelisch - reformierte Kirchengemeinde Bad Meinberg

Jesaja 2, 4 (Meinberg)

an jes2 4„Bewundere die Natur!“,
diese Worte las ich bei einem Strandspaziergang in meinem Urlaub auf einem selbstgemalten Holzschild, angebracht an einem riesigen grünen Baum.
Seltsam, so ging es mir erst durch den Kopf, dies extra sagen zu wollen, angesichts dieser wunderschönen Natur – üppig sprießendes Grün, ein schattiger Weg, immer wieder mit Ausblicken auf den weißen, mit Steinen durchzogenen Sandstrand und das türkisblaue Meer. Muss das extra gesagt werden, dass hier die Freude und das Staunen über diese wunderbare Fleckchen Erde angebracht sind?
Ja, wahrscheinlich schon, so war mein zweiter Gedanke. Denn wir Menschen neigen doch dazu, das Schöne und Staunenswerte, das eigentlich wie ein unverdientes Geschenk für uns ist, als selbstverständlich anzusehen. Wir neigen dazu, brummelig vorbeizugehen und nur auf das zu achten, was noch verbessert werden könnte.
„Bewundere die Natur!“, vielleicht ist dieses Schild nicht nur als Einladung gedacht, sondern auch als Hinweis, die unberührte Schönheit weiter zu schützen, zwar darüber zu staunen, aber nicht zu zerstören, indem Unrat hinterlassen oder die Natur anderweitig gestört wird.
„Bewundere die Natur!“, womöglich bräuchten wir nicht nur dieses Schild, sondern noch viel mehr davon, so war denn mein dritter Gedanke beim Weitergehen am Strand. Wo wäre ein Hinweis nicht auch noch angebracht, mit Mitmenschen, mit Mitgeschöpfen und der Schöpfung angemessen und respektvoll umzugehen! Vielleicht fallen Ihnen wie mir ungezählte Möglichkeiten ein, wo solche selbstgemalten Holzschilder ihren Platz finden könnten. Nicht als Schilderwald der Verbote, sondern einladend und inspirierend hin zum guten Umgang miteinander und füreinander.
Geschichten der Bibel sind oft wie solche Holzschilder, die einen dazu führen, dass wir nachdenken, welchen Sinn sie machen, warum sie erzählt werden, und dass wir über uns selbst, unser Leben, unser Tun und Lassen und unseren Umgang miteinander nachdenken. Die Gleichnisse Jesu fallen mir zum Beispiel ein, das bekannte vom „Barmherzigen Samariter“, das mich darüber erschrecken lässt, wie auch ich manchmal vorbeigehe dort, wo Hinschauen und Hinhören, Helfen und Unterstützen das Naheliegende und Selbstverständliche wären. Und das mich einlädt, auch in solchen Situationen Mitleid und Leben in meinem inneren Zwiespalt siegen zu lassen.
Auch die Worte des Monatsspruchs für den Monat November aus dem Prophetenbuch des Jesaja sind so ein Hinweisschild, denke ich. Dieses steht, so scheint es mir, allerdings nicht dort, wo schon alles Gut und Schön ist und ich nur den Hinweis brauche, das auch wahrzunehmen. Dieses Hinweisschild steht mitten in unserer Welt, die gerade von Hass, Gewalt und Krieg beherrscht scheint – im Großen wie im Kleinen. Und dieses Hinweisschild zeigt mir, wie es sein könnte, wie es von Gottes Blickwinkel her gedacht und gewollt ist. Und es lädt mich ein, dieser großartigen Vision zu trauen, zumindest stellenweise so zu leben, als ob dies, was einmal kommt, schon Realität wäre. Gleichsam entwaffnet in Situationen und auf andere Menschen zuzugehen.
Die Gedenktage des Novembers laden uns ein, uns mit den dunklen Stunden unseres Menschseins auseinanderzusetzen – unseren Abschieden und Verlusten, unserer Schuld. Der darauf folgende Dezember mit der Advents- und Weihnachtszeit zeigt uns, wie alles anders sein könnte, wenn Gott zu uns nach ganz unten kommt und dadurch alles verändert wird.
So weit ist es noch nicht. Aber vielleicht lassen wir uns schon verlocken, den Hinweisen auf das Leben zu folgen – hin zu Mitmenschlichkeit, der Achtung der Schöpfung, der Gerechtigkeit und des Friedens. Ich vermute, dass wir dann auch entdecken können, was das Leben schön und lebenswert macht, das, was im Leben wirklich zählt, und das, was uns wie ein unverdientes Geschenk entgegenkommt – im Urlaub, aber auch im Alltag.

Ihr Pfarrer Matthias Zizelmann

September 2026

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