Wo ist Gottes Reich?
– eine Einladung zu fragen, zu suchen und auszuprobieren.
Wo ist Gottes Reich?, diese Frage werden sich nur wenige Menschen stellen. Und überhaupt, wir fragen selten nach dem Gelingenden, nach dem, was uns alle gemeinsam weiterbringt – und unsere Welt gerechter, schöner, friedlicher und lebendiger macht. Denn wir haben uns irgendwie angewöhnt, das in den Vordergrund zu stellen, was uns stört und ärgert, was unsere Laune verdirbt und was uns von anderen Menschen trennt.
Der Monatsspruch für den Monat Oktober dagegen lädt mich ein, nicht nur nach dem Reich Gottes zu fragen, sondern zu entdecken, wo es bereits angebrochen ist.
„Jesus Christus spricht: Das Reich Gottes ist mitten unter euch.“,
so lauten nämlich seine Worte aus der Überlieferung des Lukasevangeliums.
Spektakulär sind sie, denn Jesus verortet das Reich Gottes damit nicht erst am Ende der Zeiten, wie wir uns das meist vorstellen. Es ist schon da, darauf möchte er seine Nachfolgerinnen und Nachfolger aufmerksam machen. Ihr müsst nicht mehr darauf warten, ihr könnt es schon entdecken …
Was ist das Reich Gottes?, so müssen wir deshalb fragen. Und stoßen wahrscheinlich zuallererst auf Jesus selbst, wenn wir diese Frage versuchen zu beantworten.
Denn er ist das Reich Gottes in Person, so stellen ihn die Evangelien und ihre Verfasser dar. Das bedeutet, dass sich das Reich Gottes dort verwirklicht, wo Jesus ist – also dort, wo von Gott und seiner Liebe erzählt wird, wo Menschen gesund und heil werden, und dort, wo die Menschen in den Mittelpunkt gestellt werden, die sonst oft genug nur am Rand stehen. Und nicht nur dort ist Gottes Reich, wo Jesus ist, sondern auch dort, wo in seinem Sinn gehandelt wird, dort wo von Gottes Liebe gesprochen und sie gelebt wird.
„Jesus Christus spricht: Das Reich Gottes ist mitten unter euch.“,
wartet nicht, möchte Jesus also mit seinen Worten sagen, wartet nicht auf ferne Zeiten, sondern macht euch auf, das Reich Gottes zu entdecken und zu verwirklichen, wo ihr das könnt.
Einem gängigen Missverständnis müssen wir allerdings noch vorbeugen. Es geht nicht darum, das Reich Gottes zu verwirklichen. Das würde unsere menschlichen Kräfte übersteigen und ist am Ende Gottes Sache allein. Wohl aber geht es darum, sich auf den Weg zu machen und das eigene kleine Umfeld entsprechend zu prägen.
Die neue Aktion „Miteinander, füreinander“ ist ein kleines Beispiel dafür, wie der Zusammenhalt und das Aufeinander-Achten in unserer Stadtgesellschaft gestärkt werden können.
In Horn beginnt sie, und wird in Bad Meinberg sicherlich Fortsetzung finden. HBM chribal unterstützt gemeinsam mit der Stadt diese Initiative der Gewerbetreibenden. Beim Einkaufen und bei der Bestellung in der Gastronomie, bei Dienstleistungen an andere Menschen denken, dadurch, dass ich für die, denen es nicht so gut geht wie mir, einen Gutschein kaufe, der eingelöst werden kann – für eine Pommes, eine Pizza, den Haarschnitt oder vieles andere mehr. Ich denke, das verändert etwas in unserer Stadt. Davon bin ich überzeugt.
Probieren wir es doch mal aus …
Vielleicht kommen wir damit und mit vielen anderen Angeboten dem, was Jesus mit „Reich Gottes“ meint, ein kleines Stückchen näher. Und seien wir ehrlich, es fühlt sich doch viel besser an als Abwertung, Hass und Hetze. Einfach mal an das Gemeinsame denken, es für möglich halten, und so handeln, als ob es schon da wäre …
Ich bin gespannt und bin selbst glücklich, jedes Mal, wenn Begegnungen gelingen, wenn das Verständnis untereinander wächst, und wenn das bisher Fremde als Bereicherung erlebt wird.
Ihr Pfarrer Matthias Zizelmann
(November 2025)
