„Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge.“
Gedanken zum Monatsspruch August 2025
Liebe Leserin und lieber Leser, ich brauchte für einen Bericht die Altersstatistik unserer Kirchengemeinde. Da habe ich es schwarz auf weiß gehabt, was ich schon ahnte: Kinder und junge Leute bis 20 Jahre machen nur ca. 10 % unserer Gemeindeglieder aus. Das entspricht sicherlich auch der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung. Es gibt doppelt so viele 60-Jährige wie 6-Jährige. Für Kinder und Jugendliche ist wenig Raum in einer alternden Gesellschaft. Ich bin froh, dass wir das Haus der Jugend, den Kinderchor und die Kinderkirche haben, die Zusammenarbeit mit den Kitas und die Chorallen auf dem Spielplatz, dass wir Familiengottesdienste und Taufen feiern.
Großeltern erzählen immer wieder mit großer Freude von ihren Enkeln. Schön ist es, wenn die ältere Generation Zeit und Fürsorge für die jüngere verschenkt. Auch über die Familie hinaus im Ehrenamt. Gut, wenn solches Engagement schon früh geübt wird. In Gütersloh gibt es eine Schule, die das Schulfach „Ehrenamt“ eingeführt hat. Jugendliche in der 12. Klasse haben die Chance, an einem Tag der Woche ganz unterschiedliche Arbeitsbereiche kennenzulernen und auszuprobieren. In einem Fernsehbericht wird Franca vorgestellt, die im Mutter-Kind-Café für Flüchtlinge der Diakonie arbeitet. Andere probieren sich in der Altenpflege, in Kitas oder bei der Tafel aus und machen wertvolle Erfahrungen: Was kann ich gut und wo habe ich Schwierigkeiten. „Wenn man nicht an Orte rausgeht, weiß man auch nicht, wo man richtig ist“ – sagte eine der Mentorinnen. Das lernen die Jugendlichen dort.
Die Erfahrung, selbst wirksam zu sein, ist wertvoll. Wie oft höre ich den Satz: Da kann man ja doch nichts machen. Oder die Frage: Was kann ich schon tun? Im Ehrenamt kann ich – selbst mit wenig Einsatz-eine Menge bewirken. Es muss ja nicht immer gleich der Vereinsvorsitz sein. Vielleicht habe ich nur einmal im Monat eine Stunde Zeit, die ich einsetzen kann. Auch die ist wertvoll. Für andere und für mich selbst. Die Erfahrung, etwas tun zu können, ist das beste Mittel, um der Hilflosigkeit und Angst, die uns in diesen Zeiten oft befällt, entgegenzuwirken.
Damit zeige ich auch ein Stück Dankbarkeit. „Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge.“ Dieser Satz des Apostels Paulus, der Monatsspruch für den August, könnte so zu meinem Satz werden. Etwas von dem, was ich selbst erfahren habe und geschenkt bekomme, das kann ich zurückgeben. An Zeit, an Fürsorge, an Lebensweisheit. So werde ich Zeuge der Liebe Gottes. Zeugen verbinden wir vor allem mit Reden. Aber warum sollte das Tun nicht genauso ein Zeugnis sein für das, was ich glaube? In unserem Heidelberger Katechismus ist der Teil, in dem es um gute Werke und die Zehn Gebote geht, überschrieben mit: Von der Dankbarkeit. Gutes zu tun, ist nicht leidige Pflicht, sondern entsteht aus Dankbarkeit. So wie Paulus es sagt:
„Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag – und stehe nun hier und bin sein Zeuge.“
Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesem Sommer trotz allem, was uns immer wieder beschwert, Grund zur Dankbarkeit entdecken!
Ihre Pastorin Petra Stork
im Juli 2025
