„Mir aber hat Gott gezeigt, dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf.“
Gedanken zum Monatsspruch Juni 2025
Liebe Gemeindemitglieder, im Sommer 2025 blicken wir in Lippe auf ein wichtiges Jubiläum: Vor 150 Jahren wurde das Hermannsdenkmal auf der Grotenburg bei Detmold eingeweiht. Seitdem ragt die Statue des Cheruskerfürsten Arminius weit sichtbar über die Region – als Zeichen des Gedenkens an die Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9. n. Chr.. Ein Symbol, das für viele über die Jahrzehnte hinweg Heimatverbundenheit verkörperte.
Ein Denkmal erzählt immer auch von den Werten, die man in Stein meißeln möchte. Freiheit, Zusammenhalt, nationale Identität – all das klang in der Entstehungszeit des Hermannsdenkmals stark mit. Doch wir dürfen fragen: Was bedeutet ein solches Denkmal heute? In einer Welt, die vielfältiger, internationaler und – ja – auch gespaltener wirkt denn je?
Gerade in unserer Zeit lohnt es sich, einmal genauer auf die Geschichte zu schauen, die die Bibel uns erzählt – eine Geschichte, die auf den ersten Blick wenig mit einem Denkmal zu tun hat, auf den zweiten aber viel über unser Menschenbild sagt. Der Apostel Petrus besucht in Apostelgeschichte 10 das Haus eines römischen Hauptmanns namens Kornelius – ein Mensch, der nach jüdischem Gesetz als „unrein“ galt. Für Petrus ist das ein Tabubruch. Und doch erlebt er, dass Gott selbst ihn auf diesen Weg führt.
Petrus erkennt: Gottes Liebe kennt keine nationalen oder religiösen Schranken. Und er sagt einen interessanten Satz:
„Mir aber hat Gott gezeigt, dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf.“ (Apg 10,28).
Es sind Worte des Petrus, gesprochen in einer Zeit des Umbruchs. Er erkennt, dass Gottes Geist Grenzen überwindet – zwischen Kulturen, Völkern und Weltanschauungen. Dass kein Mensch ausgeschlossen ist. Dass Gottes Liebe alle meint.
Dieser Vers ist eine starke Erinnerung daran, wie leicht wir Menschen in Kategorien einteilen – in „wir“ und „die anderen“ trennen – in „rein“ und „unrein“, in „würdig“ und „unwürdig“.
Auch in unserer Region haben sich über Jahrzehnte hinweg Bilder gehalten, die Menschen trennten – nach Herkunft, Religion oder sozialem Stand. Das Hermannsdenkmal wurde in seiner Geschichte nicht selten nationalistisch überhöht. Doch heute haben wir die Chance, es mit neuen Augen zu sehen: nicht als Mahnmal des Gegeneinanders, sondern als Anlass zum Nachdenken über Zusammenleben, Respekt und Frieden.
Vielleicht ist es ein ermutigendes Zeichen, dass wir in diesem Jubiläumsjahr diesen Monatsspruch vor Augen haben. Er stellt uns eine Aufgabe: Menschen nicht nach Äußerlichkeiten oder ihrer Herkunft zu beurteilen. Ihm geht es um den Blick ins Herz. Um die tiefe Erkenntnis: Jeder Mensch ist von Gott gewollt, jeder Mensch ist in Gottes Augen „rein“.
Dafür steht der Glauben an Jesus Christus. Er stellt solche Grenzen infrage. Er lädt uns ein, auf das Gemeinsame zu schauen. Auf die Würde eines jeden Menschen – unabhängig von Herkunft, Sprache oder Geschichte.
So möge das alte Denkmal auf dem Berg uns nicht nur an vergangene Kämpfe erinnern, sondern uns ermutigen, Brücken zu bauen – und den Blick zu weiten für das, was Gottes Geist heute tut: Menschen verbinden.
Mit herzlichen Grüßen und Gottes Segen,
Ihr Pfarrer Dr. Gregor Bloch
