Ein Glaube, der lebt
Gedanken zum Weihnachtsfest 2025
Liebe Gemeindemitglieder, wenn Sie das Gesangbuch unter der Nummer 854 aufschlagen, dann finden Sie dort das „Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel“. Es ist neben dem „Apostolischen Glaubensbekenntnis“, das wir für gewöhnlich in den sonntäglichen Gottesdiensten sprechen, eines der wichtigsten Bekenntnistexte der Antike. Gelegentlich wird dieses „Nicäno-Konstantinopolitanum“, wie es auch heißt, an hohen christlichen Feiertagen wie dem Weihnachtsfest gesprochen. Dieses Bekenntnis feiert in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum. Im Jahr 325 n. Chr. versammelten sich in der kleinasiatischen Stadt Nicaea (heute İznik in der Türkei) über 300 Bischöfe aus der ganzen damals bekannten Welt. Sie kamen zusammen, um über eine Frage zu beraten, die das junge Christentum zutiefst bewegte: Wer ist Jesus Christus – und wie steht er zu Gott, dem Vater? Es mag aus der heutigen Perspektive nicht spektakulär sein. Damals jedoch gab es heftige Streitigkeiten über die richtige Lehre. Manche sagten: Jesus sei zwar von Gott gesandt, aber nicht göttlich im gleichen Sinn wie der Vater. Andere betonten: In Jesus selbst ist Gott uns begegnet. Um diese zentrale Glaubensfrage zu klären, berief Kaiser Konstantin das erste ökumenische Konzil der Kirchengeschichte ein – das Konzil von Nicaea. Das Ergebnis war ein Text, der uns bis heute prägt: das Nicaenische Glaubensbekenntnis. Darin bekennt die Kirche Jesus Christus als „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahren Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater“. Dieses Bekenntnis wurde später auf weiteren Konzilien ergänzt (vor allem 381 in Konstantinopel) und bildet noch heute das Glaubensfundament der weltweiten Christenheit – ob orthodox, katholisch oder evangelisch. Doch was hat dieses alte Bekenntnis mit uns zu tun – im Jahr 2025? Mehr, als man vielleicht denkt. Es hat das Christentum zusammengehalten. Wenn man sich in Nicäa nicht geeinigt hätte, dann hätte das Christentum auch zerfallen können und wäre möglicherweise bedeutungslos geworden. Die Welt, wie wir sie heute kennen, würde es nicht geben. Denn ob man es mag oder ob es missfällt – das Christentum hat diese Welt und insbesondere unsere westliche Kultur maßgeblich geprägt. Es erinnert uns zugleich daran, wie wichtig es ist, sowohl in der Kirche als auch in anderen Zusammenhängen, den Austausch zu suchen. Das Nicaenische Bekenntnis ist ein Beispiel, wie die Suche nach Gemeinsamkeiten bei unterschiedlichen Standpunkten gelingen kann. Es verdeutlicht „Einheit in Vielfalt“. Doch mehr noch: In einer Zeit, in der vieles unübersichtlich geworden ist, bietet das Nicaenische Bekenntnis einen Orientierungspunkt. Es erinnert uns daran, dass der Kern unseres Glaubens nicht eine Idee, eine Moral oder eine Empfindung ist, sondern eine Beziehung – die Beziehung Gottes zu uns in Jesus Christus. An Weihnachten feiern wir diese Beziehung in besonderer Weise: Gott wird Mensch und sucht die Gemeinschaft zu jedem Einzelnen von uns. Wir sind eingeladen, diese Bewegung Gottes zu uns Menschen im Glauben anzunehmen und ihre Wirkung in unserem Leben entfalten zu lassen. 1700 Jahre später bleibt das Bekenntnis von Nicaea kein Museumsstück, sondern ein lebendiges Zeugnis. Es lädt uns ein, unseren Glauben bewusst zu leben und zu bekennen, im Vertrauen darauf, dass der Gott, der damals bekannt wurde, auch heute in unserer Mitte lebt und wirkt. Mit herzlichen Grüßen und Segenswünschen für die anstehende Advents- und Weihnachtszeit und den bevorstehenden Jahreswechsel,
Ihr Pfarrer Dr. Gregor Bloch
Wir glauben an den einen Gott,
den Vater,
den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, christliche und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
Amen.
