Levitikus 19, 33

an levitikus19 33Liebe Leser,
23 geöffnete Türchen liegen hinter uns, alle völlig verschieden, und alle auf ihre ganz eigene Art und Weise sehr besonders. Sie begleiten mich ins neue Jahr 2025, diese geöffneten Türchen des Lebendigen Adventskalenders. Und manche Abende waren darunter, die echte Türöffner waren. Endlich einmal wieder in Bellenberg oder hinter die Türen der Alten Post zu schauen oder von der Moscheegemeinde gastfreundlich empfangen zu werden und beim Abendgebet dabei sein zu können, all das war möglich – um nur ein paar wenige Beispiele zu erwähnen.
Menschen kamen zusammen, die sich wahrscheinlich sonst an Dezemberabenden nicht getroffen hätten. Es entstand Begegnung und Austausch – über so manche Grenzen hinweg.
„Wir erwarten hier immer, dass alle zu uns kommen. Und wahrscheinlich ist das nicht richtig.“
So wurde an einem Abend als Erkenntnis formuliert. Ich glaube, beides gehört dazu – mal Gastgeber*in und mal Gast zu sein. Jeder der Abende des Lebendigen Adventskalenders war eine Einladung, sich auf den Weg zu machen, auch weitere Strecken zurückzulegen – wie bei Wind und Wetter nach Veldrom. Wer das aber tat, wurde belohnt – mit einem wunderschönen besinnlichen Abend und netten Gesprächen. Auf der anderen Seite, auch die Gastgebenden wussten nicht, was sie erwartet. Sie öffneten freundlicher Weise ihre Türen – und wussten nicht, was genau passieren wird. „Wie viele werden wohl kommen?“, das war eine häufig gestellte Frage, die sich nur schwer beantworten ließ, weil jeder Abend eben anders war. Wer Gäste empfangen hat an diesen Abenden, hat sich auch auf dieses Wagnis eingelassen. Nicht nur die fragliche Personenzahl, auch das, was ich anbiete – wird es gefallen? Ein Stückchen öffne ich nicht nur meine Türen mit dem Lebendigen Adventskalender. Wird es gelingen, was ich mir vorgenommen habe?
Ja, es ist gelungen – jeder einzelne Abend. Und dafür herzlichen Dank allen, die sich beteiligt haben!
Ich glaube, so wird es beim Erzählen darüber deutlich, beide Seiten haben davon profitiert – die, die die Türen geöffnet haben, wie auch die, die sich auf den Weg gemacht haben.
„Das ‚Wir“ gibt es nicht ohne Diskussionen!“, so oder so ähnlich sagte auch jemand bei einem der Abende. Wer aufeinander zugeht, der geht nicht nur das Wagnis des Türenöffnens und der Begegnung ein. Wer aufeinander zugeht, der riskiert auch, dass sich da unterschiedliche Personen begegnen – und eben manche Dinge erst ausdiskutiert werden müssen. Das ist ganz normal und wir kennen das überall her, wo Menschen zusammenkommen – in der Familie, in Vereinen und Gruppen, in Freundeskreisen und auch in der Kirchengemeinde.
An den Abenden des Lebendigen Adventskalenders – und natürlich auch an vielen anderen Stellen – hat das „Wir“ gewonnen.
Für mich ist das ein Hoffnungsschimmer, ja sogar ein starkes Zeichen gegen alle gegenwärtigen Tendenzen sich abzuschotten, das Fremde loswerden zu wollen, die mich immer wieder erschrecken. Solche Zeichen wie die beschriebenen Abende ermutigen mich, wenn ich den Monatsspruch für März 2025 aus dem 3. Buch Mose lese:
„Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht unterdrücken.“
Denn nur durch das immer wieder auszuhandelnde ‚Wir‘ können wir dieses göttliche Gebot erfüllen. Das ist immer wieder auch schwierig. Aber es kann so viel Positives bewirken, dort, wo es gelingt. Menschlichkeit, Wärme, echter Austausch und Begegnung – und manchmal merke ich dann auch, so anders ist der Fremde nicht, er wird von denselben Sorgen und Problemen umgetrieben. Und ich verstehe sogar, warum er an manchen Stellen anders entschieden hat, warum er andere Einstellungen gewonnen hat, wo er andere Erfahrungen gemacht hat. Ich lerne, ihn oder sie zu verstehen.
Ermutigend, dass es an so vielen Stellen gelingt, die Menschenfreundlichkeit nicht zu vergessen, die von manchen Menschen leider „über Bord geworfen“ und infrage gestellt wird, das „Wir“ zu leben, auch wenn es zuweilen schwierig ist.
Nur auf diesem Weg können und sollen wir weitergehen, auch dann, wenn wir das göttliche Gebot erfüllen möchten – als Gastgeber*innen und Besucher*innen, mal so und mal so. Lassen wir uns einladen, machen wir uns auf den Weg und gehen wir auch das Wagnis ein, Gastgebende zu sein, dazu lade ich Sie gerne ein.
Ihr Pfarrer Matthias Zizelmann

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