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Evangelisch - reformierte Kirchengemeinde Bad Meinberg

Die Rolling Stones von Bad Meinberg

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Vor 60 Jahren ist unser Posaunenchor von Pastor Otto Mengedoht gegründet worden. Am 11. Juli 1963 war die erste Übungsstunde. Eine Vielzahl von Anfängern traf sich damals im Gemeindehaus. Es wird berichtet, dass Pastor Mengedoht dazu Familien besuchte und die Kinder quasi zur Übungsstunde „befahl“: „Du kommst am Freitag um 17 Uhr und lernst Trompete“. Heute ist so eine Werbeaktion eher nicht denkbar.
Nun sind wir 60 Jahre weiter und haben dieses Jubiläum gebührend gefeiert. Ehemalige Bläser, unser Partnerchor aus Seelow, der Posaunenchor Horn und wir sind am Wochenende des 21. Oktober zusammengekommen. Wir haben Erinnerungen ausgetauscht, zusammen gegessen, erzählt und gelacht. Insbesondere haben wir aber gemeinsam für unseren Jubiläumsgottesdienst geprobt. Um 9 Uhr am Sonntag trafen wir uns zum Einspielen für den Jubiläumsgottesdienst. Unser Leiter Udo Mönks hatte ein sehr vielfältiges und schönes Bläserprogramm erstellt. Drei Posaunenchöre zusammen in unserer doch kleineren Kirche, das war ungewohnt klanggewaltig. Die Gemeindemitglieder spendeten reichlich Beifall, danke dafür. Danke auch für die schönen und passenden Predigtimpulse unserer beiden Pastöre. Für die Bläser war dieser Jubiläumsgottesdienst ein tolles Erlebnis. Nach dem Gottesdienst ging es zu einem Empfang in unser Gemeindehaus. Dort ließen es sich viele Gäste nach einigen doch schönen und interessanten Ansprachen bei Speis und Trank gut gehen. So fand unser 60-jähriges Jubiläum einen schönen Abschluss und unser Partnerchor aus Seelow trat mit guten Wünschen die Heimreise an.

Zurück zur Überschrift: die Rolling Stones von Bad Meinberg? Dazu noch einmal an den Anfang: Was war denn eigentlich 1963? Ich, als einer der Posaunenchoranfänger, war 12 Jahre alt, die Jahrtausendwende so weit weg, wie sie gefühlt jetzt fast schon hinter uns liegt. Es gab kein Handy/Smartphone, wir hatten noch keinen Fernseher, nur eine Musiktruhe mit Plattenspieler zu Hause, Sonntagmorgens hörte ich damit Winnetou-Schallplatten, wir hatten keine Mikrowelle, aber eine Klokette. Wer jetzt denkt, das wäre so etwas wie eine Warenhauskette mit Dixi-
klos, liegt falsch.
Präsident Kennedy sprach im geteilten Berlin: „Ich bin ein Berliner.“
Martin Luther King hielt seine berühmte Rede „I have a dream“ vor 250.000 Zuhörern in Washington DC. Ludwig Erhard wurde Bundeskanzler und es geschah das Unglück und Wunder von Lengede. Und musikalisch (neben unserer Posaunenchorgründung)? 1963 hatten die Rolling Stones ihren ersten Auftritt in der ersten festen Besetzung mit Mick Jagger, Keith Richard, Brian Jones, Charlie Watts und Bill Wyman. Eine der wenigen Rockbands weltweit, die so lange zusammenspielt wie wir.
Heute spielen die Rolling Stones nicht mehr komplett in dieser alten Besetzung, auch wir haben neue Mitglieder bekommen und viele haben uns auch verlassen, sei es, dass sie fortgezogen sind, andere Schwerpunkte wichtiger wurden oder auch aus Altersgründen.
Jedoch acht Aufrechte sind hier- und dabeigeblieben, immer noch befallen vom Posaunenchorvirus. Die Posaunenchorarbeit hat einen großen Teil ihrer Leben begleitet. Unterstützt wurden wir dabei von unseren tapferen Chorleitern, denen großer Dank gebührt:

1963 – 1969 Otto Mengedoht
1968 – 1969 Otto Mengedoht jun., noch als Schü- ler, plötzlich von seinem Vater mit der Leitung beauftragt.
1969 – 1973 Eckard Korthus
1974 Joachim Thalmann
1975 Johannes Koch
1976 – 1977 Rolf Hamann
1978 – 1980 Friedrich Rhiemeier
1980 – 1985 Jürgen
Schockenbäumer
1986 – 1990 Rüdiger Hille
1991 – 1992 Frank Rompf
1992 – jetzt Udo Mönks

Schön ist es, dass alte Traditionen aus den Gründerjahren beibehalten wurden, insbesondere das Kurrendeblasen morgens um 6.00 am 1. Weihnachtstag, teilweise im strömenden Regen, bei Sturm oder bei -15 °C. Da früher die Winter viel kälter und die Autoheizungen schlechter waren, musste damals mit flüssigem Brennstoff innerlich „geheizt“ werden. Manche haben dabei etwas überheizt, sodass schonmal im anschließenden Gottesdienst der Posaunenzug aus der Hand glitt und zu Boden polterte oder während der Predigt die Aufmerksamkeit stark nachließ.
Zu der Zeit hatten wir auch ein Posaunenchormitglied, welches nie ein Blechblasinstrument gelernt hat. Manfred Sonnenburg, er war aber mit dem Opel seines Vaters immer zur Stelle, wenn wir gefahren oder sonst wie unterstützt werden mussten, also für uns sehr hilfreich.
Ach, wir sind inzwischen, wie die Rolling Stones, älter und zahmer geworden. Im Laufe der Zeit wurden auch neue Traditionen hinzugefügt, wie z. B. das Blasen auf dem Friedhof am Ewigkeitssonntag oder das Begleiten der Laternenumzüge unserer Kitas. Dass der Posaunenchor nun 60 Jahre lang so gut gelaufen und es zu diesem 60-jährigen Jubiläum gekommen ist, hat seinen Grund in dem großen Engagement der Posaunenchormitglieder und -leiter, aber auch viel mit der Unterstützung von außen zu tun:
Wir danken der Gemeinde und dem Kirchenvorstand für 60 Jahre Unterstützung in finanzieller, ideeller und tätiger Weise. Alle Pastoren (von Otto Mengedoht, Gisela Kittel, Hans-
Jürgen Meier, Gerhard Hille, Rainer Schling, über Heike Stijohann,
Irmela Lutterjohann-Zizelmann und heute Matthias Zizelmann und Gregor Bloch) haben uns immer sehr freundlich im Gottesdienst aufgenommen und uns mitgetragen, waren z. B. immer mit Lesungen zur Stelle und haben uns mit interessanten Predigten aufgebaut (keiner schläft mehr), und wir merken deutlich, dass sie sich über unseren Beitrag freuen.
Wir freuen uns über viele treue Zuhörer aus der Gemeinde. Danke sagen wir auch unseren Familienangehörigen, die uns immer unterstützen und auch beim Jubiläum zur Stelle waren und viel geleistet haben, ebenso danke an die weiteren Helfer aus der Gemeinde. Diese große Gemeinschaft innerhalb unserer Gemeinde ist sehr schön.
Ein großer Dank an unseren Posaunenchorleiter Udo Mönks, der sich seit 30 Jahren mit Freude und viel Engagement in unsere Gemeinschaft einbringt, uns inspiriert und die Lust am Musizieren befördert. Mit großem Fleiß und Akribie bereitet er alle Proben und Auftritte vor. Als alter und leidgeprüfter Lehrer ist er sehr gnädig mit uns, selbst wenn das 10. Mal gefragt wird, wo fangen wir an oder wie viele Strophen spielen wir. Ihm gelingt es, die Proben in einer sehr lockeren, aber doch konzentrierten Form zu gestalten, sodass bisher eigentlich alle Auftritte immer gut gelungen sind. Als besonderes Highlight aus der letzten Zeit denke ich an unsere Reise im Oktober 2017 nach Mallorca mit vielen Auftritten dort, insbesondere im Gottesdienst in der Kathedrale von Palma. Oder in den Corona-Jahren, als Proben und Gruppenauftritte fast nicht möglich waren, haben wir durch Udo Mönks´ immerwährende Initiative und der Möglichkeiten der Elektronik weiter geprobt und uns an Zoom-Gottesdiensten beteiligt. So sind wir sehr gut durch diese Zeit gekommen, die für viele Gruppen fast oder sogar das Ende bedeutete.
So stehen wir heute hier, fast wie vor 10 oder vor 20 Jahren, zusammen mit Ehemaligen und mit unseren Partner- und Freundeschören aus Seelow und Horn. Besonderen Dank für die gute Bläserfreundschaft und den Probeneinsatz, ohne die dieses Jubiläum in dieser Form nicht möglich gewesen wäre.
Und um noch einmal auf die Rolling Stones zurückzukommen, sie sind auch noch immer im Geschäft, erst am Mittwoch erschien wieder ein Artikel über eine neue CD in der LZ, und ein Ende ist nicht abzusehen. Das Gleiche wünsche ich unserem Posaunenchor, den Rolling Stones von Bad Meinberg!

Hans-Peter Mischer