Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist - das ist für uns schwer vorstellbar. Er kommt im Alten und im Neuen Testament in verschiedenen Geschichten vor, aber greifbar, einfach packen lässt er sich nicht. Er bewirkt etwas, und es ist bei ihm wie mit dem Wind: Dass der Wind weht, sieht man daran, dass die Blätter der Bäume sich bewegen.
Der Heilige Geist ist der Geist Gottes, und er ist da zu finden, wo etwas im Geist Gottes geschieht. Paulus sagt: Die Frucht des Geistes Gottes ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.
Gottes Geist zeigt sich sozusagen im „begeisterten“ Leben, das Früchte trägt. Wer geliebt wird, kann selber wieder lieben, wer sich freut, macht anderen Freude, wer weiß, wie gut der Frieden tut, bemüht sich um Frieden …
Früchte brauchen eben, um zu wachsen, ihren „Baum“, ihre Nahrungsquelle, damit sie nicht verschrumpeln oder verkümmern. Gottes Geist begeistert, gibt Saft und Kraft, damit wir begeistert leben und „Frucht“ bringen können.
Früchte brauchen ihre Zeit, um zu reifen. Unsere Persönlichkeit braucht eine lange Zeit der Reife. Geduld, immer wieder noch mal probieren, Liebe, immer wieder noch mal aufeinander zu gehen, Frieden, immer wieder noch mal Hände reichen – das muss wachsen.
Unser Leben kann jederzeit diese „Früchte des Geistes“ tragen, aber wir werden im Miteinander schnell feststellen, dass sie eben oft noch unreif und unfertig sind – und hoffentlich auch geduldig miteinander bleiben, uns Zeit lassen, dem anderen Zeit lassen.
Früchte wachsen bei guten Bedingungen besser: Sonne (ein strahlendes Gesicht), ein guter Boden (Ruhe für ein Gespräch), ein gutes Klima (Zuhören), das Wachsen und Reifen fördert. Wasser (Mut machen). Und vielleicht auch den einen oder anderen Rückschnitt zur rechten Zeit (Umkehr).
Früchte werden geerntet: Auch der prachtvollste Apfel verdirbt am Stamm oder verfault am Boden, wenn er nicht geerntet wird. Das gilt für die „Früchte des Geistes“ nicht minder.
Wer immer nur die Füße stillhält, sich nie einmischt, wo eine Einmischung nötig wäre, um eine Ungerechtigkeit beim Namen zu nennen, der wird bestenfalls einen Scheinfrieden bewahren. Aber der wird keinen Frieden stiften. Dessen Frieden breitet sich nicht aus, er ist keine Frucht, die auf andere ausstrahlt.
Wer sich nie mit schwierigen Menschen umgibt, wer sich gar nicht erst in die Gefahr begibt, auf eine Nervensäge zu treffen, dessen Geduld mag wohl für den Hausgebrauch ausreichen – aber wachsen wird sie nicht, und auf andere ausstrahlen schon gar nicht.
Wer nur die liebt, die ihn auch lieben und schätzen und ehren und achten, dessen Liebe ist sehr verkürzt.
Jesus ließ sein Leben für seine Freunde und betete um Vergebung für seine Feinde. Wo finde ich größere Liebe?
Ein Leben, das Früchte trägt, ist deshalb auch ein Leben, das sich verschenkt. Nach der Zeit der Reife folgt die Zeit der Ernte. Früchte wollen Nahrung sein für andere. Sie werden zum Segen. Ein in diesem Sinne begeistertes Pfingstfest wünscht Ihnen – auch im Namen von Pn. Opitz-Hollburg und dem Kirchenvorstand

Ihre Heike Stijohann