an mk13 37

Müde zu sein, das kennen wir wohl alle.
Müde, weil der Vorabend zu lang war.
Müde, weil ich in der Nacht schlecht geschlafen habe.
Müde auch, weil Sorgen und viel zu viele Aufgaben mich belasten.
Jesus fordert von uns aber Wachheit. So lesen wir es im Monatsspruch für den März 2020 kurz und bündig wie klipp und klar:
„Jesus Christus spricht: Wachet!“ (Mk 13, 37)
Zum ersten Mal sagte Jesus diese Worte, als er dringend den Beistand seiner Jünger brauchte. Im Garten Gethsemane zog er sich zum Gebet zurück, es ist kurz vor seiner Verhaftung, kurz vor Verurteilung, Folter und Tod. Jesus möchte nicht alleine sein, er sucht Nähe, das Da-Sein seiner engsten Vertrauten.
„Wachet“, sagt er ihnen und verlässt sich darauf. Doch, als Jesus zurückkommt, findet er seine Freunde schlafend vor. Mehrmals geschieht dies so. Müde sind wir auch, wenn wir unsere Aufgaben nicht erfüllen können, weil wir nicht erkennen, was gerade wichtig wäre, was gerade wirklich „dran“ ist.
Deswegen mahnt mich der Aufruf Jesu zur Wachheit, aufmerksam darauf zu achten, wie die Situation gerade ist, in der ich mich befinde, mein Umfeld, die Gesellschaft, in der ich lebe. Und nicht nur achten soll ich, sondern auch darauf in entsprechender Weise reagieren. Dies gelingt müde und geschafft, wie wir manchmal sind, nicht.
„Jesus Christus spricht: Wachet!“ (Mk 13, 37)
Dieser Aufforderung zu folgen, heißt nüchtern zu sein und klar zu denken, sich nicht von Emotionen gleichsam überschwemmen zu lassen und Gefühle zur alleinigen Motivation des Handelns zu machen.
„Wach sein!“, bedeutet für mich aufmerksam zu sein, auch für die Bedürfnisse meiner Mitmenschen. Wer wach ist, stellt nicht nur sich und seine Meinung in den Mittelpunkt. Er sucht andere Menschen zu verstehen und kann sich mit ihnen respektvoll auseinandersetzen.
„Jesus Christus spricht: Wachet!“ (Mk 13, 37)
Nur ein einziges Wort, das uns Jesus mit diesem Monatsspruch auf den Weg gibt. Vielleicht begleitet es uns nicht nur durch den Monat März hindurch, sondern lädt uns dazu ein, „wach“ und „aufmerksam“ durchs Leben zu gehen, wach für das, was in der Situation jetzt das Passende und Nötige ist und aufmerksam auf die Menschen, die mit mir sind. Denn dann könnte sich Vieles verändern – in unserer Gesellschaft und in unserem Leben, auch in unseren Kirchengemeinden.

Pfarrer Matthias Zizelmann
Januar 2020