Herzlich willkommen! Schön, dass Sie unseren „Gottesdienst to go“ mitgenommen haben und nun in Händen halten!


Mit dieser „Gottesdiensttüte“ wünschen wir Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest! „Fürchtet euch nicht – Gott bei euch!“, so ist eine Aktion der evangelischen und katholischen Kirchen zu diesem „Corona-Weihnachten“ überschrieben. Dies bringt, so meine ich, genau zum Ausdruck, was die Botschaft dieses Festes ist, gerade auch in diesem Jahr.
Die Corona-Situation hat nun ausgerechnet in diesen Tagen wieder eine große Bedrohlichkeit erreicht. Wir leiden unter einem erneuten „strengen Lockdown“. Wie es weitergeht und wann diese Situation endet, wissen wir nicht.
Aber dennoch macht uns Gottes Kommen an Weihnachten Mut und gibt uns Kraft, gelassen und zuversichtlich weiterzugehen, was auch noch kommen wird.
Mit diesem „Gottesdienst to go“ möchten wir Sie hineinnehmen in den Gottesdienst, der am späten Abend des Heiligabends gefeiert wird, ruhig, meditativ und mit viel Musik. Die Gedanken beziehen sich auf ein Gemälde des belgischen Malers Hugo van der Goes aus dem 15. Jahrhundert mit dem Titel „Anbetung der Hirten“. Sie möchten eigenes Entdecken und Weiterdenken anregen.
Dazu finden Sie Gebete und ein Segenswort, mit dem auch selbst eine kurze Andacht gefeiert werden kann.
Bleiben Sie in diesen weihnachtlichen Tagen gesund und von Gott behütet!

Im Namen des ganzen Pfarrteams von Horn und Bad Meinberg
Ihr Pfarrer Matthias Zizelmann

 

 

 

Gebet
Du,
unser Gott,
hast uns verheißen,
jede Dunkelheit mit den Strahlen deines Glanzes zu durchdringen.
Lass dein Licht in uns neue Hoffnung entzünden.
Schenke es uns,
dass unsere Herzen erwärmt werden,
von dem Kind in der Krippe,
deinem Licht,
mit dem du in die Dunkelheit der Welt leuchtest.
Lass in diesen Tagen deine Liebe uns durchdringen,
dass wir einander mit neuen Augen sehen
und füreinander sorgen.
Amen.


Biblische Lesung: Lukas 2, 1-20
„1 Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. 2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3 Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. 4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, 5 auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. 6 Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. 7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. 8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. 9 Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. 10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 12 Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. 13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: 14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. 15 Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. 16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17 Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. 19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.“

 

Ansprache
Liebe Gemeinde,

Mariaein ungewöhnliches Bild, das Bild mit dem Titel „Anbetung der Hirten“, das Hugo van den Goes im 15. Jahrhundert gemalt hat. Es unterscheidet sich völlig von anderen Darstellungen der Krippenszene im Stall von Bethlehem, die ich kenne.
Da sind verschiedene Gruppen von Menschen und Engeln, die deutlich voneinander getrennt stehen.
Schon Josef und Maria stehen sehr weit voneinander entfernt, die Engel stehen in mehreren verschiedenen Gruppen, auch die Hirten stehen als von anderen getrennte Ansammlung von Menschen.
Ganz wie unser Alltag gerade, so wirkt diese Gruppenbildung ein wenig. „Social Distancing“ auf einem mittelalterlichen Bild, alle halten Abstand voneinander, keine und keiner kommt sich näher, als es unbedingt sein muss.
Womöglich können diese Menschen, die hier versammelt sind, auch nicht viel miteinander anfangen. Die einen sind eher dürftig gekleidet, Arbeitskleidung tragen die Hirten, mal eben schnell von ihren Schafen hergekommen sind sie. Die anderen tragen prächtige Kleider, wirken eher wie hochgestellte Persönlichkeiten – sowohl die Engel als auch Maria und Josef gehören hierzu.
Nur das Kind führt diese so verschiedenen Personen zusammen. Sonst hätten sie wahrscheinlich nichts miteinander zu tun. Läge das Jesuskind nicht in der Mitte, gäbe es keinen Grund, dass sich diese unterschiedlichen Menschen hier versammeln.
Dazu kommt, das nicht minder ungewöhnlich, dass eben dieses neugeborene Jesuskind nackt und schutzlos auf der Erde liegt.
Hier findet sich keine Futterkrippe mit Stroh, in die das Kind gebettet wurde, keine Windeln, in die es gewickelt wurde.
Gerade von der Arbeit kommen sie herangestürzt, die Hirten. Das können sie sich nicht entgehen lassen, unbedingt sehen wollen sie, was die Engel ihnen bei ihren Schafen gesagt haben. Schnell haben sie sich auf den Weg gemacht. Da war keine Zeit, sich frisch zu machen oder gar umzuziehen. So wie sie sind, kommen sie.
Gleichwohl halten sie aber respektvollen Abstand zu den anderen, die ebenfalls hier sind.
Vielleicht wissen sie, dass ein Neugeborenes besonderen Schutz braucht.
Vielleicht wollen sie sich aber auch nicht aufdrängen, dass sie so oft genug nicht erwünscht sind, das ist ihnen sicherlich bewusst. Sie werden wissen, dass sie nach Tieren und Schweiß riechen. Denn immer draußen sind sie bei den Schafen, ein harter Job, den sie ausüben. Aber eben kein besonders angesehener.
So sind sie hier.
Denn gleichwohl waren sie die ersten, die die himmlischen Heerscharen mit der frohen Botschaft konfrontierten, der Retter der Welt ist geboren, hier ganz in der Nähe. Und diese Geburt ändert alles, was bisher war.
Klar, dass sie sofort nach Bestätigung gesucht haben, die Hirten. So ein umwälzendes Ereignis, ganz in der Nähe, da muss man doch dabei gewesen sein.
Ob sie erwartet haben, was sie nun tatsächlich zu Gesicht bekommen?
Ein nacktes neugeborenes Kind, auf die Erde gelegt, von allen Umstehenden staunend betrachtet, anbetend – so scheint es – knien Maria und Josef, die Gruppen der Engel und nun auch die Hirten um das Kind herum.
 „Wer nimmt das Kind?“, diese Frage scheint das Neugeborene, das so schutzlos daliegt, bei uns auszulösen.
Eine häufig gestellte Frage in diesem zu Ende gehenden Jahr, bei geschlossenen Kindertagestätten und Schulen für viele Familien ein großes Problem. Denn die Großeltern gehörten schließlich zur „Risikogruppe“ und sollten besonders geschützt werden.
„Wer nimmt das Kind?“, diese Frage wird aber auch gestellt, wenn Partnerschaften auseinandergehen, Eltern sich trennen, aber dennoch Vater und Mutter bleiben.
Die „heilige Familie“, wie wir sie an Weihnachten besingen und uns wünschen, sie entspricht nicht den Realitäten unserer Welt – damals und heute. Wir haben ein Ideal vor Augen, wissen aber genau, dass es oft genug anders zugeht, überall auch einmal anders zugeht: lauter, mit unterschiedlichen Meinungen und manchmal auch mangelndem Respekt.
Und doch: Gott ist auf die Welt gekommen, diesen Abstand zu überbrücken.
Ich denke, das will uns Hugo van den Goes, der Maler, mit dem nackt und schutzlos vor uns liegenden Kind eindringlich und vielleicht etwas überzeichnet vor Augen führen.
Gott kommt in diesem Kind ganz auf diese Erde. Da ist nichts Trennendes dazwischen, kein Stück Stoff und kein Holz der Futterkrippe. In diesem Kind gibt sich Gott ganz. Und damit überwindet er jeglichen Abstand. Gott zeigt sich völlig entblößt und schutzlos in einem kleinen Menschenkind.
Und wir, stehen anbetend davor, so wie die Personen auf dem Bild. Staunend, über das, was da geschieht. Dankbar, dass Gott da ist. Und weinend über all das Abständige in und um uns, das nun überwunden wird.
Denn so kommt Bewegung ins Bild. Ich stelle mir vor, wie Maria ihr Kind liebevoll aufnimmt und im Arm hält, wie Josef Maria zärtlich umarmt, wie die Hirten sich über das Kind beugen und zärtlich anlächeln, und wie der Stall vom Wehen eines Windes erfüllt wird. Denn die Engel fliegen hin und her, verbinden damit Himmel und Erde und singen laut: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden!“
Ja, so wird es sein.
Und ich bin mitten drin.
Amen.

Fürbittengebet
Gott,
dein Engel kam zu den Hirten in der Nacht,
hat sie froh gemacht und hat ihr Leben
mit dem Glanz deiner Herrlichkeit erfüllt.
So komm und bleibe mit deinem Licht auch bei uns
und bei allen, für die wir dich bitten:

Wir bitten dich für die,
die in diesen Tagen krank und einsam sind,
für die, die in diesen Tagen um einen geliebten Menschen trauern
und die sich trotz der weihnachtlichen Freudenzeit nicht freuen können.

Wir bitten dich für die,
die nicht miteinander zurechtkommen in ihren Familien,
an ihren Arbeitsstellen,
in ihrer Nachbarschaft.

Wir bitten dich für die,
die hungern müssen nach Brot, nach dem zum Leben Notwendigen,
nach Arbeit, nach Anerkennung,
nach einer Wohnung, dem bergenden Gefühl, zu Hause zu sein.

Wir bitten dich für die,
die von Krieg, Gewalt und Terror geängstet und gequält werden,
die in unerträglichen Verhältnissen ihr Leben fristen,
die in Schrecken und Trauer versinken.

Du Gott des Friedens,
erbarme dich über deine Welt.
Sende Boten des Heils in die Dunkelheit.
Mach auch uns zu Helferinnen und Helfern deines Friedens.
Amen.

Segen    
Gott lasse dich ein gesegnetes Weihnachtsfest erleben.

Gott nehme dir Sorgen und Angst
und schenke dir neue Hoffnung.

Gott bereite dir den Raum, den du brauchst
und an dem du so sein kannst, wie du bist.

Gott schenke dir die Fähigkeit zum Staunen
über das Wunder der Geburt im Stall von Bethlehem.

Gott mache heil, was du zerbrochen hast
und führe dich zur Versöhnung.

Gott gebe dir Entschlossenheit, Phantasie und Mut,
damit du auch anderen Weihnachten bereiten kannst.

Gott bleibe bei dir mit dem Licht der Heiligen Nacht,
wenn dunkle Tage kommen.

Gott segne dich und schenke dir seinen Frieden.
Amen.