Dr. Markus End referierte über Antiziganismus in der Burgscheune Horn

Sozialarbeit statt Hetze 1 Auf Einladung der Lippischen Landeskirche, der ev.-ref. Kirchengemeinde Horn, des „Arbeitskreises gegen Nazis“ und des Integrationsbeirates sprach Dr. Markus End in der Burgscheune Horn vor rund 40 Interessierten zum Thema: „Armutszuwanderung? Anmerkungen zu einer antiziganistischen Hetzkampagne.“  End ist Antiziganismus-Experte am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin.
In der Öffentlichkeit werde viel über eine vermeintliche „Armutszuwanderung“ diskutiert. In der Diskussion würden dabei oft, nicht nur von der extremen Rechten, antiziganistische Vorurteile gegen Sinti und Roma heraufbeschworen. Die Angst stecke tief in den Köpfen, lasse sich jedoch durch keine Kriminalitätsstatistik rechtfertigen.

Sozialarbeit statt Hetze 3 Pfarrer Matthias Zizelmann begrüßte rund 40 Gäste: „Südosteuropäer, die zu uns gekommen sind, stehen seit 2018 im Fokus. Ihnen wird Schuld gegeben, wenn etwas nicht so ist, wie es sein soll. Wir wollen nicht mit Fingern auf andere zeigen, sondern schauen, wie wir in dieser Stadt gut zusammenleben können“. Bürgermeister Heinz-Dieter Krüger betonte im Grußwort: „Nur wenn wir uns gesellschaftlich konstruierte Bilder und Vorurteile bewusst machen, können wir sie überwinden.“ Dieter Bökemeier, Pfarrer für Diakonie, Ökumene und Migration der Lippischen Landeskirche, sagte, dass „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ einer ganzen Volksgruppe negative Eigenschaften zuschreibe und Antiziganismus eine Form davon sei.       
Markus End ging in seinem Vortrag vor allem auf die mediale Berichterstattung ein. Von Privatsendern und sozialen Medien sei man antiziganistische Ressentiments gewohnt. Aber auch in öffentlich-rechtlichen Medien machten sich Stereotypen breit. Mit Schlagwörtern wie „unbekannte Parallelwelt“ und falschen Bildern werde das Narrativ einer „gegensätzlichen Kultur“ konstruiert. Es werde dann behauptet, dass ein angeblich von der Norm abweichendes Verhalten ethnisch bedingt sei. Eine Sprecherin von Radio Brandenburg Berlin (rbb) zum Beispiel habe in der Abendschau wörtlich gesagt: „Überall, wo viele Romas auftauchen, gibt’s Probleme und keine Lösung.“ Das seien Aussagen, die anderswo als Volksverhetzung angesehen würden, hier gingen sie einfach so über den Sender. Würde man eine andere Gruppe wie Friesen, Lipper oder Ostwestfalen so diffamieren, wäre der Aufschrei groß und die Sprecherin ihren Job los.
Und die Folgen solcher Zuschreibungen seien sehr konkret, etwa Gesetzesverschärfungen gegenüber Zuwandernden aus EU-Staaten, eine repressive Kommunalpolitik oder die Zunahme antiziganistischer Übergriffe.
End verwies vor allem auf zwei Notwendigkeiten: Erstens müssten soziale Probleme auch als soziale Probleme benannt und angegangen werden, statt sie zu „ethnisieren“ und damit eine ganze Gruppe von Menschen zu diffamieren. Und zweitens müsse die „Dominanzgesellschaft“, so End, an sich selber und ihren Vorurteilen arbeiten.
In der anschließenden Diskussion wurden Konsequenzen für die Stadt Horn Bad Meinberg diskutiert. Die Ordnungspartnerschaft und Sozialarbeit der Stadt wurde benannt. Vorbildlich seien auch Projekte wie die Integrationsarbeit von „SOE Horn-Bad Meinberg“, die bei der Caritas angesiedelt ist, Sprachbarrieren bei Südosteuropäern (SOE) verringern möchte und den Übergang von der Schule in den Beruf erleichtern will. Oder der Erprobungsraum der Lippischen Landeskirche „HBM Chribal“ (Horn-Bad Meinberg christlich global), der sich bewusst an alle Bürgerinnen und Bürger wende und eine Verständigung fördern wolle. Hierzu sind zwei Sozialarbeiterinnen eingestellt worden, die an dem Abend auch mit einem Stand anwesend waren.

Birgit Brokmeier
Bilder: Lippische Landeskirche
Mai 2022