Logo Kirche Horn

 

Evangelisch reformierte Kirchengemeinde Horn

Kirchenasyl

Seit dem 28. Aug. 2005 lebt in unserem Gemeindehaus eine fünfköpfige Familie aus Aserbaidschan im Kirchenasyl. Die Familie, die seit einigen Jahren in Bad Meinberg lebt, sollte in der Woche zuvor abgeschoben werden.

Der Kirchenvorstand hat sich in seiner Sondersitzung am 26.August über die Situation der Familie A. und die Lage in Aserbaidschan informieren lassen. Wir sind der Meinung, dass Familie A. bei einer Abschiebung nach Aserbeidschan Gefahr für Leib und Leben droht. Für uns war das das wichtige Argument. Darum haben wir sie bei uns aufgenommen.

Was macht das Besondere der Lage dieser Familie aus? - Die Familie A. ist zweinational - d.h. Frau A. ist Armenierin. Armenien ist der älteste christliche Staat der Welt gewesen. Heute leben Armenier verstreut in mehreren Ländern. Herr A. ist Aserbeidschaner. Aserbeidschan und Armenien führen seit über 15 Jahren einen mal heißen mal kalten Krieg um Berg-Karabach. Frau A. droht bei der Abschiebung nach Aserbeidschan festgenommen zu werden, um im Zuge von Gefangenenaustausch von der Familie getrennt und nach Armenien gebracht zu werden. Herr A. ist Christ und muss befürchten, für seinen Übertritt vom Islam belangt zu werden. Ausserdem gilt sein Versuch, Asyl zu finden als eine Art Landesverrat. - Nach Aussage der Familie hat ein Mitarbeiter der aserbeidschanischen Botschaft die Inhaftierung im Falle der Abschiebung angekündigt.

Mit dem Kirchenasyl wollen wir dieser Familie ein Stück weiterhelfen. Dazu müssen wir mit ihnen Perspektiven entwickeln. Momentan könnte es zwei Wege geben:

1. Die Möglichkeit der Duldung aufgrund einer Erkrankung von Frau A. - Dazu bedarf es medizinischer Betreuung, möglichst von einer russischsprachigen Neurologin und Psychaterin.

2. Die Weiterwanderung in die USA. - Die Familie hatte bereits 1990 während einer ersten Flucht nach Russland in der amerikanischen Botschaft den Status als Flüchtlinge zugebilligt bekommen. Eventuell kann dieser Status wieder aktiviert werden.

Daraus wird deutlich, dass wir nicht genau wissen, wie lange das Kirchenasyl bei uns dauern wird - ob es nur acht Wochen oder gar acht Monate sein werden. Für Familie A. bedeutet das, ständig auf Versorgung von aussen angewiesen zu sein. Denn der Bewegungsraum der Erwachsenen ist auf Gemeindehaus, Garten und Kirchgang beschränkt. Die Kinder können zur Schule und zum Kindergarten, sind aber die übrige Zeit auch an unser Gemeindehaus gebunden.

Also gibt es Menschen, die einkaufen und das Alltägliche regeln. Aber es ist schwer, für alles auf andere angewiesen zu sein, für alles dankbar sein zu müssen. Es ist nicht leicht, von dem zu leben, was andere übrig haben für mich an Geld, an Zeit. Und natürlich - was macht man den ganzen lieben langen Tag, wenn man nicht raus kann?

Manchmal werden wir gefragt: “Ist das nicht illegal? Wollt ihr klüger sein, als die Behörden? Erhebt ihr euch nicht über unsere Rechtsordnung?” Darum möchte ich verdeutlichen, wie es rechtlich mit dem Kirchenasyl steht:

1. Kirchenasyl ist kein geheimes Verstecken. Die Behörden wissen Bescheid, wo Familie A. lebt. Die Möglichkeit der Abschiebung bleibt bestehen. Allerdings halten sich die Behörden gleichzeitig an den Staatskirchenvertrag zwischen evangelischen Kirchen und dem Land NRW. Dort wird geregelt, dass alle Konflikte im Wohlwollen und möglichst einvernehmlich gelöst werden.

2. Das Kirchenasyl eröffnet Familie A. und den Behörden die Möglichkeit, erneut über die Sachverhalte nachzudenken. Und da es um das Leben von Menschen geht, hat auch unser Staat ein Interesse daran, überlegt und sorgfältig Entscheidungen abzuwägen. Diesen Raum erneuten Entscheidens eröffnet - zeitlich begrenzt - unser Kirchenasyl.

Was wir als Gemeinde jetzt brauchen? Ihr Unterstützung - indem sie immer mal wieder nachfragen; indem sie die Familie und uns - ihre Gemeinde - ins Gebet miteinschließen; indem sie vielleicht im Laufe der Zeit eine Betreuungsdienst übernehmen; indem sie uns bei der Fiannazierung des Lebensunterhaltes helfen.

Maik Fleck, KV-Vors.