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Evangelisch reformierte Kirchengemeinde Horn

Alekperova

In letzter Zeit ist die politische Lage leider nicht sehr asylfreundlich. So versuchen immer wieder Menschen, das Kirchenasyl als falsch und unrecht darzustellen. In unserer Gemeinde hat sich der Kirchenvorstand schon vor vielen Jahren bereit erklärt, für ein Kirchenasyl zur Verfügung zu stehen, wenn es denn Aussicht auf Erfolg hat. Kirchenasyl wird gewährt, - bei Gefahr an Leib und Leben - aus Humanität - wenn eine Rückführung z.B. nach Ungarn, Italien, Rumänien n o.ä. unzumutbar ist - aus gesundheitlichen Gründen. Bei einem Kirchenasyl hat der KV das Hausrecht, dem Asylsuchenden ist die Einschränkung seiner Unterkunft bewusst, die Gemeinde ist für die Unterkunft und Ernährung verantwortlich, für den Asylsuchenden besteht der Schutz der Landeskirche. Die Landeskirche ist über das Kirchenasyl unterrichtet, ebenso die öffentlichen Behörden. Das Kirchenasyl ist somit nicht illegal. Die Landeskirche übernimmt alle juristischen Angelegenheiten. Im Internet unter: Lippische Landeskirche Kirchenasyl kann man sich ausführlich über das Kirchenasyl informieren. So war das auch bei Frau Alekperova, die mit ihren Kindern seit Mai 2005 bei uns im Gemeindehaus wohnt. Frau Alekperova ist Christin aus Armenien, ihr Mann ist aus Aserbeidschan und vom Islam zum Christentum übergetreten. In unserem Gemeindebrief vom Mai 2005 finden sich die genauen Umstände der Gewährung des Kirchenasyls für die ganze Familie.

Der Bericht von 2005

Frau Alekperova berichtet: Nach 6 Monaten im Kirchenasyl bekam die Familie das Bleiberecht. Die schwerwiegende posttraumatische Störung bei Frau Alekperova war für die ganze Familie sehr belastend. Frau Berghahn brachte Frau Alekperova regelmäßig mit dem Auto nach Herford zur Behandlung. Frau Alekperova ist ihr bis heute dankbar dafür. Immer hatte Frau Berghahn eine kleine Praline für sie, wenn sie von einer Sitzung wieder abgeholt wurde. Herr Dr. Kreutzer fuhr den jüngsten Sohn regelmäßig in den Kindergarten und holte ihn ab. Auch dafür und die Hilfen durch Herrn Fleck und den Kirchenvorstand, die sich um Betreuung, Beratung, Lebensmittel, Schulsachen und vieles mehr gekümmert haben und vieler anderer in der Gemeinde ist Frau Alekperova unaussprechlich dankbar. 2009 wurden der Vater und der älteste Sohn in einer Nacht- und Nebelaktion ausgewiesen. Der Schock sitzt bis heute tief und kann nie überwunden werden. Nun endlich in 2018 hat Frau Alekperova den Aufenthaltstitel, seit 2015 die Arbeitsgenehmigung. Nun kann sie nach 18 Jahren endlich ihre Verwandten sehen und neu dazugekommene kennen lernen. Die Söhne kennen ihre Verwandten bisher schließlich nur über skype. Jetzt endlich kann Frau Alekperove ruhig schlafen. Sie hat keine Angst mehr, was wohl morgen passieren kann, was sagt die Ausländerbehörde, darf sie bleiben oder nicht, sie wacht nicht mehr schweißgebadet auf, wenn unangekündigt jemand klingelt. Endlich kann sie durchschlafen. Frau Alekperova findet nichts schlimmer, als wenn man nicht arbeiten darf. So betrieb sie von 2009-2015 ehrenamtlich einen Nähkurs für Anfängerinnen im Gemeindehaus. Jetzt arbeitet sie in einem Seniorenstift in Meinberg und ist zwar oft müde aber total glücklich. Sie verdient ihr eigenes Geld und benötigt keine Unterstützung. Ihr Sohn macht im Seniorenheim eine Lehre als Altenpfleger. So muss es sein, die Kinder haben genug zum Essen, können in die Schule gehen, keiner muss hier verhungern und eine Krankenversicherung gibt es auch. Da kann man nur glücklich sein. Frau Alekperova wünschte ich, dass alle Asylsuchenden gleich arbeiten könnten. Das würde ihnen helfen und den Staat Kosten sparen. Rumsitzen und nichts machen zu können ist furchtbar. Frau Alekperova gehört der russisch orthodoxsen Kirche in Bielefeld Sennestadt an. Dort gehen sie und ihre Söhne regelmäßig hin und haben einen guten Kontakt zu den anderen Kirchenmitgliedern. Frau Alekperova ist glücklich, dass sie Kirchenasyl erhalten hat und findet es richtig, dass es das Kirchenasyl gibt.