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Evangelisch reformierte Kirchengemeinde Bad Meinberg

  • Ölbild von Heinrich Witte:Evangelische Kirche in Bad Meinberg

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Posaunenchöre der Lippischen Landeskirche spielen in der Kathedrale von Palma de Mallorca

Das ist der normalerweise unerfüllbare Traum eines jeden lippischen Posaunenchores, der nur die örtlichen kleineren Kirchen kennt: einmal im Kölner Dom spielen. Doch dieser Traum wurde wahr für den Posaunenchor Bad Meinberg: Wir erhielten von unserer ehemaligen Pfarrerin Heike Stijohann eine Einladung zum Festgottesdienst anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums. Ort dieses Festgottesdienstes: Die große Kathedrale in Palma de Mallorca!
Pastorin Stijohann war in ihrer Zeit in Bad Meinberg immer ein großer Fan des Posaunenchores, das hat sie oft genug gesagt. Sie hat auch immer versucht, in den Gottesdiensten zu predigen, in denen der Posaunenchor spielt. So kam dann nach einiger Zeit nach dem Weggang von Frau Stijohann der Wunsch auf, sie doch einmal auf Mallorca zu besuchen und sie dort mit unserer Musik zu erfreuen. Einige E-Mails mit Terminvorschlägen gingen hin und her. Doch dann kam die Einladung nach Mallorca zum Reformationsfestgottesdienst in der Kathedrale von Palma, das war der Hauptgewinn.

pc festgottesdienst gruppeUm dieses gewaltige Bauwerk, vergleichbar mit dem Kölner Dom, mit Bläserklängen auch füllen zu können, wurde mit dem Posaunenchor aus Horn und zusammen mit weiteren Bläsern der Lippischen Landeskirche eine gemeinsame Bläsergruppe gebildet. Anfang dieses Jahres begannen dann die umfangreichen Proben. Neben den Chorälen standen größere Doppelchöre von Prätorius und Mendelssohn-Bartholdy auf dem Programm. Um uns etwas auf den Raumklang in der riesigen Kathedrale vorzubereiten, wurde auch in einer „großen“ Detmolder Kirche geprobt. Parallel liefen die Planungsarbeiten für die Reise, die Unterkunft und das Mallorca-Programm. Zusätzlich zu den Bläsern war die Einladung auch an die Partner der Bläser und an die Bad Meinberger Gemeindemitglieder gegangen. So waren wir schließlich eine Gruppe von 20 Bläsern und 21 „Nicht“bläsern. Ein großer Teil der Nichtbläser bestand aus Frauen des Trostteddy e. V. Am Donnerstag, den 12. Oktober, machten sich dann 41 froh gelaunte Menschen mit dem Bus auf nach Hannover. Nach kurzem Flug landeten wir auf Mallorca und wurden zu unserem Hotel gebracht, welches in Arenal direkt am Ballermann lag. Nach kurzem Einchecken, wo uns nur die Errichtung der Ecotasa (von jedem einzelnen in bar) nervte, wurden wir zum nicht weit entfernten Pfarrhaus von Stijohanns abgeholt. Hier gab es erst mal ein leckeres Abendessen im Pfarrgarten, das unlippisch gute Wetter machte es möglich. Für die nächsten Tage dann war von Stijohanns und der Gemeindesekretärin ein fantastisches Programm für uns vorbereitet worden. Am Freitagmorgen ging es nach einem guten Frühstück um 10 Uhr mit dem Bus nach Valdemossa. Hier besuchten wir unter kundiger Führung das Kartäuserkloster, welches auch für kurze Zeit Chopin und seine Freundin George Sand beherbergt hat. Der Besuch wurde mit einem gemeinsamen Mittagessen abgeschlossen.
Nach der Rückfahrt begaben sich die Bläser in die Kathedrale zu einer Stellprobe und zum ersten Anspielen der Stücke in der ungewohnten und gewaltigen Akustik. Schon die kurze Probe war für uns Bläser beeindruckend. Am Abend konnten wir an einen Empfang bei der deutschen Konsulin zum Tag der Deutschen Einheit im Palau March teilnehmen. Es waren viele Ehrengäste anwesend, unter anderem der deutsche Botschafter von Spanien und Frau Dr. Käßmann, die Botschafterin der EKD für das Reformationsjubiläum, die auch eine Ansprache hielt. Hier im Säulenhof des Palaumarch hatten wir unseren ersten offiziellen Bläserauftritt mit festlicheren Kompositionen von Gabrieli, Sammartini, Händel und Mendelssohn.
Am nächsten Samstagmorgen fuhren viele von uns mit dem Bus zu einer Lesung von Frau Dr. Käßmann in dem Gebäude der Mallorca-Zeitung. Frau Dr. Käßmann las aus ihrem neuen Buch „Sorge dich nicht, Seele“. Vorgelesene Textstellen des Buches wurden von Frau Dr. Käßmann sehr unterhaltsam mit eigenen Erlebnissen begründet und kommentiert. Danach ging es für einen Teil unserer Gruppe zu einer Stadtführung (insgesamt gab es drei Führungen) durch die Altstadt von Palma. Wir sahen viele schöne bemerkenswerte Häuser und Paläste in unterschiedlichen Stilrichtungen, die man leicht übersieht oder erst gar nicht findet. Zu allen Sehenswürdigkeiten gab es umfangreiche Erläuterungen, wie diese in die Geschichte Mallorcas eingebunden waren, unmöglich, alle Details zu behalten.
Abends gab es dann wieder eine Gelegenheit, unsere Blaskunst zu demonstrieren, ein Bläserplatzkonzert auf der Plaza Mayor. Hier wurden Stücke für Bigband gespielt, unter anderem „O Happy Day“, „Rag Time“ oder der „Tiger Rag“. Auch das Gefühl wurde mit „Highland Cathedral“ angesprochen. Viele spanische Zuhörer genossen unsere Musik. Ein großer Applaus war unser Lohn.
Der absolute Höhepunkt aber war der ökumenische Festgottesdienst in der Kathedrale am Sonntag, den 15. Oktober. Neben Pfarrerin Stijohann und anderen kirchlichen Vertretern der deutschen katholischen, anglikanischen, schwe dischen, orthodoxen rumänischen und mallorquinischen Kirche war die Botschafterin der EKD für das Reformationsjubiläum, Frau Dr. Käßmann anwesend. Sie hielt auch die Predigt, in der sie eindringlich und lebendig die bereichernde Vielfalt der christlichen Glaubensrichtungen herausstellte, aber auch als quasi in die heutige Zeit übertragenen Reformationsauftrag um Zusammenarbeit der christlichen Kirchen warb.
Der Posaunenchor konnte mit seiner Musik über 1500 Gottesdienstbesucher begeistern, unter anderem wurden Doppelchöre von Michael Praetorius und Felix Mendelssohn-Bartholdy gespielt. Gute Bläsermusik und die große Kathedrale, das passte einfach und erzeugte Gänsehaut bei vielen Zuhörern!
Neben dem Posaunenchor sorgten ein Vokalchor, ein Sänger und die Orgel für weitere musikalische Gestaltung des Gottesdienstes. Zwei Stunden, die wie im Fluge vergingen. Für die Bläser selbst war das Musizieren in diesem Klangraum ein einmaliges Erlebnis, das lange nachklingen wird. Nach dem Gottesdienst fuhren wir alle in ein Restaurant zu einem typisch mallorquinischen Essen. Wir konnten ungewohnte aber sehr leckere Gerichte genießen, welche zumindest am deutsch/englisch dominierten Ballermann nirgendwo zu bekommen sind.
Die Hälfte unserer Gruppe musste dann am Montag leider wieder abreisen, den Kopf voll schöner Erlebnisse. Die „Längerbleiber“ konnten die Insel noch weiter genießen mit Baden, Bus- und Zugfahrten nach Soller, Fahrradfahren und Wandern, leckerem Essen oder weiteren Ballermannbesuchen.
Apropos Ballermann, wenn wir keinen der zahlreichen Programmpunkte zu absolvieren hatten, konnten wir die dortige Atmosphäre hotelnah bei einem Spaziergang nachmittags oder spät abends genießen. Es war laut und auch interessant, sozusagen ab 10 Uhr morgens permanentes Oktoberfest mit Fußballunterhaltung per Großbildschirm. Der Top Act, den wir genießen durften, war der Liveauftritt des Königs von Mallorca Jürgen Drews im Megapark.
Erfüllt von vielen schönen und unterschiedlichsten Eindrücken ging es dann am Freitag auch für die Verbliebenen wieder zurück in die kalte Heimat.

Hans-Peter Mischer
November 2017